
Sunshine Cleaning
Filmstart: 21.5.
Regie: Christine Jeffs;
Darsteller: Amy Adams, Emily Blunt, Alan Arkin, Steve Zahn u.a.
Am Anfang war der Selbstmord: Direkt vor Ort, im Waffenladen, mit der Schrotflinte – und das alles noch bevor der Vorspann beginnt. Die Produzenten von „Little Miss Sun-shine" haben wieder zugeschlagen. Und von damals mitgenommen haben sie Alan Arkin, der als kauzig grantelnder Großvater seinem Enkel wieder merkwürdige Lebensweisheiten eintrichtern will. Sowie die stets grandiose Mary Lynn Rajskub, die als Chloe O’Brien in „24" nicht nur Jack Bauer erfolgreich um den Finger wickelt.
Die Story selbst klingt zunächst ähnlich schrullig schräg wie der Vorläufer: Zwei finanzklamme Schwestern entdecken eine lukrative Marktlücke. Das Reinigen blutverschmierter Schauplätze von Gewaltverbrechen bringt mit 500 Dollar pro Blutbad so viel Geld ein, dass die Damen alsbald ihre eigene, die titelgebende Firma gründen. Dieser hübschen Grundidee folgen fortan freilich längst nicht so viele zünde(l)nde Einfälle wie beim Vorgänger. Die Story-Substanz kocht auf Sparflamme, von der lässigen Gesellschaftskritik samt Situationskomik einer Versager-Familie bleibt dieser Aufguss ziemlich weit entfernt, von überraschenden Wendungen ganz zu schweigen – selbst der Gag der Schokoladewindeln bei der „Baby Shower"-Party wirkt reichlich angestrengt. Weil der Funke viel zu selten überspringt und die konstruierten Figuren viel zu wenig zum Mitleiden einladen, bleibt letztlich kaum mehr als eine dieser schon dutzendfach gesehenen Independent-Komödchen nach dem üblichen Standard-Strickmuster, die es über ein „ganz nett" nicht hinausbringen – nur die „24"-Chloe ragt natürlich wieder wie ein verlässlicher Fels aus der nicht vorhandenen Brandung.
Dieter Oßwald
Stand: 15.4.2009